2. Das ritterliche Kapitel und seine Zeremonien


Kapitel ist nach altem Ordensritterbrauch das Zusammentreffen aller Ritter zu Feier, Beratung und Kurzweil. Wir nennen unsere regelmäßigen Zusammenkünfte also Kapitel. Ritterbrüder sind zur Teilnahme verpflichtet. Bei ihnen werden symbolische feierliche Handlungen (Zeremonien) vorgenommen, die immer wieder die tiefere Bedeutung unserer Kapitel aussagen sollen. So wurde über die Aufforderung »Recken rüstet Euch zum Kapitel« und ihre symbolische Aussage schon gesprochen.


a. Die Burgsicherung
Zu Beginn eines Kapitels mahnt der Burgvogt (Burghauptmann) die Recken, sie mögen sich nun von profanen Wünschen und Maßstäben freimachen und verbannt die Profanei aus der Burg, indem er die Burgtore symbolisch verschließt, die Zugbrücke aufzieht und die Armbrustschützen auf den Wällen nach Feinden Ausschau halten läßt. Feinde sind profane Wertungen und Anfechtungen. Armbrustschützen mit ihren Pfeilen sind die ritterlichen Tugenden.


b. Die Kapitelkerze
Während einer ernsten Zeremonie brennt in der Burg die Kapitelkerze. Mit feierlichem Spruch wird sie zum Kapitelbeginn durch den Großmeister oder Magister entzündet. Sie brennt als Symbol des Lebens, als Sinnbild der Suche nach Wahrheit und als Mahnung für das Bemühen um die Erkenntnis des Guten. Sie ist als feierliches Requisit Symbol des Kampfes gegen die Finsternis, gegen Unwissenheit und das Böse.
wie aber auch die Kraft für den vor uns liegenden neuen Tag und zu neuem Tun, wie es ein großer deutscher Dichter vorgegeben hat »edel sei der Mensch, hilfreich und gut«.


c. Die ritterliche Vorstellung
Sie bedeutet das Öffnen des Visiers, weil man sich unter Freunden befindet. Sie erfolgt stehend mit der Bekanntgabe des ritterlichen Namens, des Standes und des persönlichen Wahlspruches. Knappen haben keinen eigenen Wahlspruch und sprechen den ihres Bundes, dem sie angehören. Bei Anwesenheit von Ritterbrüdern anderer Bünde dient die ritterliche Vorstellung auch dem gegenseitigen Kennenlernen. Die ritterliche Vorstellung symbolisiert also die bedingungslose Öffnung des ganzen ritterlichen Menschen für seine Brüder und bekundet die Hingabe der eigenen Person an das Ganze.


d. Die ritterliche Kirche
(Burgpfaffe, Künder der Lehre, Magister)
Die Bezeichnung dieses Amtes ist unterschiedlich in den Bünden. Den Recken, die dieses Amt bekleiden, ist die Aufgabe gestellt, die Mitglieder ihres Bundes zur Besinnung aufzurufen und zur Opferbereitschaft anzuhalten. Dies sollte auf eine ernste, aber oft auch auf eine heitere Weise geschehen, ganz bestimmt durch das jeweilige Anliegen.


e. Das Totengedenken
Wir Ritterbrüder leben in Verbundenheit mit unseren verstorbenen (nach Walhall abgerittenen) Brüdern und holen deren Andenken in unsere Kapitel herein, indem wir ihnen eine Minute der Besinnung weihen. Besonders feierlich geschieht das bei festlichen Kapiteln durch die Mitternachtsweihe. Sie ist Symbol der Zusammengehörigkeit edler Menschen über den Tod hinaus.
Die Tageswende ist im Rahmen unseres ritterlichen Zeremoniells ein weihevoller, ein feierlicher Augenblick. Von Tageswende zu Tageswende ausgehend, bemessen wir die Endlichkeit unseres Daseins innerhalb der Unendlichkeit des Seins. Wir werden uns bewusst des schicksalhaften Werdens und Vergehens alles Irdischen und gedenken all der Ritterbrüder, die uns im Bemühen um das Gute vorausgegangen sind.


f. Die Burg
Schließlich sei noch von der Burg (Ort unserer Zusammenkünfte) gesprochen. Die Burg ist Ort der Sicherheit und Geborgenheit, der Abschirmung nach außen. Innerhalb ihrer Mauern herrscht die Gewissheit, unter Freunden und Gleichgesinnten zu sein. Sie ist der meist liebevoll ausgestattete und zweckmäßig gestaltete Raum unserer Versammlungen (Kapitel) und wird als solcher auch Remter genannt. Ihre Mauern verwehren symbo­lisch allen profanen Untugenden und Lastern - wie Neid, Zwietracht, Hader, Missgunst, Hochmut - den Zugang. Sie ist aber auch als abstraktes Gedankengebäude Inhalt unserer Herzen. Die ritterliche Ethik als Ganzes ist der Wall, der sie umgibt. Die ritterlichen Tugenden im Einzelnen sind die Waffen der Abwehr gegen das profan Unzulängliche. In diesem Sinne bauen wir fortwährend an der Wehrhaftigkeit der Mauern dieser Burg, dem Sinnbild unserer ritterlichen Gemeinschaft. Setzen Stein auf Stein als unseren eigenen Beitrag, verpflichtet dazu als Glieder in der Kette unserer Brüder von einst und jetzt mit dem Ziel der Vervollkommnung unserer Bruderschaft im Geiste und zu unserer eigenen Erfüllung.