Die Symbolik


Formen und Inhalte ritterlichen Lebens lassen sich in ihrem gesamten Umfang nicht durch Sprache ausdrücken. Dieses Wissen besaßen die mittelalterlichen Menschen, deren Ideale wir uns als Leitbild gewählt haben. Es ist also natürlich, wenn die Ritter sich ebenfalls der Symbole oder Sinnbilder bedienen als bildhafte, prägende Aussagen für geistig-ethische Inhalte und Ziele. Dem modernen Menschen in seiner direkten Art ist Symbolik fremd. Für die ritter­liche Welt aber sind Symbole zwingend notwendig, weil durch sie allein die idealen Vorstellungen von der Welt und dem menschlichen Zusammenleben ständig auf vielfache Weise gegenwärtig werden. Der tiefere Sinn der Symbole und ihrer beständigen Ver­weisung auf ideale Ziele liegt darin, daß mit ihnen ihre Inhalte und Aussagen im edleren menschlichen Verhalten zum Vorschein und Ausdruck kommen und zu einem gemeinsamen Streben nach hoher Sittlichkeit, mit einem Wort zu hohem Adel der Gesinnung in Wort und Taten führen.

1. Die ritterliche Kleidung - Rüstung
So kann es nicht anders sein, daß auch die ritterliche Kleidung, Rüstung, genannt, in ihren einzelnen Teilen Symbolcharakter besitzt. Sie ist keine romantische Verkleidung, sondern ein bewusstes Abstreifen der von der profanen (nicht ritterlichen) Gesellschaft und ihrer Mode gepflegten Kleidung. Mit der Anlegung (Gezimierung) der Rüstung streifen wir alles von uns ab, was hinderlich ist für unsere Gemeinschaft und ihre Ziele, wie Unterschiede des Herkommens, des Standes, des Besitzes, des gesell­schaftlichen Ranges, der Religion oder der weltanschaulichen-politischen Überzeugung. Wir streifen aber auch alle Zielstrebungen, Wünsche und Bestrebungen der profanen Welt ab und schmücken uns mit den Symbolen unserer Vorstellungswelt. Dies alles wird ausgedrückt in der Aufforderung zum Kapitelbeginn: Recken rüstet zum Kapitel.

a. Das Barett ist die Kopfbedeckung eines Ritterbruders während eines Zeremoniums. Es ist entweder in den Farben des Bundes oder aber in den Farben des eigenen Lehens (Wappens) gehalten, geschmückt mit Federn oder ohne Schmuck (Knappe). Das Barett ist Symbol des freien Mannes, der in freier Entscheidung und freier Rede, geleitet von hoher Selbstdisziplin, seine Einordnung in die ritterliche Gemeinschaft kundgibt.


b. Der Mantel, in den Farben des Bundes oder des eigenen Lehens gehalten, geschmückt mit dem Wappen des Bundes und dem eigenen Wappen, ist ein Symbol der Liebe zu den ritterlichen Brüdern und eine stete Mahnung an zuchtvolles Verhalten, Opfersinn und Wohltätigkeit.


c. Der Hausorden oder das Ritterkreuz wird an einem in den Farben des Bundes gehaltenen Band um den Hals getragen und zeigt das Wappen der Ritterschaft, der man angehört. Er ist Symbol der Zusammengehörigkeit und der Freundschaft.


d. Das Wappen und der Name sind in den Ritterschaften unserer Zeit Zeichen der Verbundenheit mit den ausgestorbenen Adelsgeschlechtern unserer Heimat und damit die Hochachtung vor unseren Vorfahren. Sie sind das Bekenntnis zur Geschichte unseres Landes und Sinnbilder für das ideale Streben von Person und Inhaber, die es führen. Sie machen im Mittelalter den Träger bei geschlossenem Visier für Freund und Feind erkennbar.
Ritterliche Namen lösen beim Eintritt in die Burg (Versamm­ungsort) die profanen Namen ab, verweisen also Rang, Stand und Bildung profaner Art als bedeutungslos und ermöglichen ein ritterlicher Mensch zu sein. Rittername und Ritterwappen gehören untrennbar zusammen und sind Symbol für das Streben nach adeliger Gesinnung.


e. Das Schwert gehört zum wehrhaften Ritter wie Name und Wappen. Es ist ein Symbol der Treue zu sich selbst, zu seinen Ritterbrüdern, ein Zeichen innerer Kraft, der Bereitschaft zu geistigem Kampf und tapferen Eintretens für den Schutz der Schwachen, für Recht und Gerechtigkeit, für die Bewahrung eigener und der Freunde Ehre. Es ist stets griffbereit, wird aber nur bei besonders feierlichen Anlässen getragen.

f. Der Wahlspruch eines Ritterbundes oder eines Ritters ist die Maxime, unter der sie leben und zu handeln gedenken. Er sym­bolisiert das Bewusstsein des Ritters oder der Ritterschaft, sich in besonderer Weise zu formen.